Persönliche Stellungnahme zum Konflikt im ZEGG

Achim Ecker 24.10.2021

In der Entwicklung unserer Gemeinschaft sehe ich in uns an einer entscheidenden Stelle. Die jetzigen Konfliktwellen haben nur vordergründig mit Go&Change, dem Sommercamp und Emil Friis zu tun, sie spiegeln nach meiner Wahrnehmung das Ringen um unsere Werte und Aufgabe als Gemeinschaft. Anlässlich einer Entscheidung des Managements, die Kooperation mit Go&Change aufzukündigen, möchte ich meine Sichtweise darlegen, wie ich den Konflikt wahrnehme, wie er entstand und wie er sich in meinem Leben und meinem Herzen auswirkt.

Das Sommercamp Team (Kulturwandel 2.1: Die Entscheidung), bestehend aus Ina Meyer-Stoll, Christa Leila Dregger und mir, hatte Emil Friis für einen Vortrag über „Bewusstseinsevolution“ aus dem Buch von Hanzi Freinacht „The Listening Society“ eingeladen. Wir haben uns eine Synergie mit anderen Vortragsrednern und integralen Denkern erhofft. Leider war er von Anfang an nicht an Kooperation interessiert. Zwischen ihm und Felix Krolle von Go&Change ist dann ein Konflikt entstanden und von seiner Seite sehr eskaliert. Er hat uns als ZEGG erpresst und die Stimmung im Camp durch Gerüchte sehr polarisiert und aufgeheizt und sich an viele gemachte Absprachen nicht gehalten, so dass wir uns entschieden haben, ihn vom Platz zu verweisen.

Eine gemeinschaftlich sehr aktive Gruppe von ca. 10 Menschen aus dem ZEGG hält seit 2018 intensiven Kontakt mit der Go&Change - Entwicklungsgemeinschaft. Wir sind in starker Kooperation für Ziele, die deckungsgleich sind mit den Gründungsgedanken des ZEGG und den aktuellen ZEGG Werten (Liebe, Kooperation, Gemeinschaft, Transparenz). Für diese wollen wir gemeinsam in unseren verschiedenen Gemeinschaften eintreten oder – im Fall vom ZEGG – sie wiederbeleben. In der Gruppe sind 3 der 5 noch im ZEGG lebenden Gründungsmitglieder aus der Bauhütte, die sich seit Jahrzehnten sehr für den internen Gemeinschaftsaufbau engagieren.

Der Kontakt mit Go&Change ist eine wichtige Inspiration für uns. Wir schauen uns dort unsere Resignationspunkte gemeinsam an und schöpfen neue Kraft für die Wiederbelebung der Gemeinschaft. Das ZEGG wurde aus meiner Sicht über die Jahre immer angepasster und intransparenter. Ich hatte diese Art von Gemeinschafts-Entropie als Muster bei der ICSA (International Communal Studies Association) Konferenz 2001 im ZEGG zum ersten Mal gehört: Gemeinschaften, egal wie radikal sie anfangen, passen sich von selbst immer weiter an den Mainstream an. In der Konsequenz muss immer in den Gemeinschaftsaufbau und die Vertiefung des Kontakts unter den Mitgliedern investiert werden, wenn man will, dass es ein innovatives und schönes Miteinander bleibt. Dieses Muster habe ich bei all den vielen Gemeinschaften wiedergefunden, die ich in den letzten 20 Jahren beraten oder besucht habe. Diesen Hinweis habe ich mir damals sehr gemerkt und beschlossen, eine Kraft zu sein, die dieser Gemeinschafts-Entropie entgegenwirkt. Also habe ich immer wieder die Intensivzeiten der Gemeinschaft gehalten und Menschen eingeladen, von denen wir etwas lernen konnten. Meist über Themen, die wir schon kannten, die aber Auffrischung brauchten wie z.B. ehrliches Feedback. Da der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt, habe ich unterstützt, dass wir zu Thomas Hübl gehen und ihn einladen, ebenso sowie Vivian Ditmar; ich habe Clinton Callahan (Possibility Management) ins ZEGG geholt und einige andere.

Für mich war es auch eine positive Erinnerung an unsere damaligen Träume von einer gewaltfreien Gesellschaft und dass wir eine neue Kultur erproben und erschaffen wollten. Die Gemeinschaft war ein Experimentierort dafür. Bei Go&Change lebte dieser Spirit noch in Kombination mit einem hohen Wissen über Innenvorgänge des Menschen und individuelle und kollektive Traumata. Ihre Vorgehensweise war erfrischend, weil sie aus unseren betriebsblinden Flecken austraten und zwischenmenschlich Dinge ansprachen, die wir schon lange unter den Teppich gekehrt hatten. Es war aber auch herausfordernd, genau aus derselben Stelle heraus.
Ich war beeindruckt von dem liebevollen und unterstützenden Umgang miteinander und mit mir als Gast. So was gab es im ZEGG zu der Zeit schon nicht mehr. Wir waren uns fremd geworden. Ich habe ein Miteinander „gerochen“, was ich in Schwand, vor dem ZEGG und in den Anfangsjahren des ZEGG auch bei uns erlebt und geliebt hatte. Damit kam ich zurück, beeindruckt und entschlossen, mehr davon auch wieder bei uns in der Gemeinschaft aufzubauen. Diesen Geist wollten wir wieder in uns selbst wachrufen und dann verkörpert in die Gemeinschaft zurücktragen. Schließlich sind wir ein Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung – oder? Damit aber waren wir nicht mehr willkommen. Ich habe das Gefühl, viele Menschen haben sich in ihren Leben und Positionen eingerichtet und wollen keine herausfordernden Experimente mehr. Sie wollen ihre Komfortzone nur ungern verlassen. Sie fühlen sich dann gleich „unter Druck gesetzt“. Nicht nur das: Sie wollen dann auch nicht gerne, dass andere weiter gehen, weil es ihnen vor Augen führt, dass sie selber diesen Schritt nicht mehr bereit sind zu gehen.

Es gab also harten Gegenwind von ein paar Menschen, die sich nicht zu schade waren, auch Gerüchte, die sie ungeprüft aufgeschnappt hatten, gerne zu glauben und zu benutzen. Es war erschütternd zu sehen, wie hier dieselben Mechanismen im Spiel sind, die schon bei der Pressekampagne bei uns aktiv waren. Werden nur genügend schlimme und krasse Vorwürfe gemacht, bleibt was hängen.

Es war für mich sehr traurig und erschütternd, dass Menschen aus meiner Gemeinschaft mir (oder Ina) plötzlich nicht mehr vertrauten und Gerüchten von Unbekannten mehr Glauben schenkten als uns, die sie schon so lange kennen und von denen sie wissen, wie wir da waren. Wir waren inzwischen oft in Lülsfeld bei Go&Change und haben viel aus erster Hand erlebt. Es ist wichtig zu sagen, dass man bei ihnen als Gast automatisch Teil der Gemeinschaft ist. Man ist bei allem dabei, was passiert. Ein so hohes Maß an Transparenz habe ich bisher noch bei keiner Gemeinschaft erlebt.

Warum glaubt man uns nicht? Glaubt man, dass wir nach 37 Jahren Gemeinschaft gehirngewaschen sind? Woran macht man das fest? Nur daran, dass wir die Gerüchte in Frage stellen? Das ist wie bei Covid. Wer nicht konform geht mit den Entscheidungen der Regierung und wagt, sie in Frage zu stellen, ist sofort ein (rechter) Außenseiter. Dass das in der Gesellschaft passiert, ist schlimm genug. Aber in meiner Gemeinschaft, der ich mehr als mein halbes Leben aktiv gedient habe? Ich war schockiert, wie leicht Menschen bereit sind, auszugrenzen und zu diskriminieren. Wie schnell sie Freundschaften aufkündigen.

Um es klar zu sagen. Emil Friis´ aus den tiefen des Internets gesammelte Vorwürfe gegen Go&Change sind nicht wahr.

Das „Gaslighting“ betreibt er selber meisterhaft. Go&Change sind so wenig eine Sekte wie das ZEGG oder die CDU. Sie sind die fürsorglichste und liebendste Gemeinschaft, die ich kenne. Sie lieben Kinder. Den tragischen Tod von zwei Kleinkindern zu missbrauchen für eigennützige Zwecke, wie Emil es getan hat, ist ein Verbrechen (https://goandchange.de/aus-liebe-zu-unseren-kindern). Er kennt sie nicht, maßt sich aber an, über andere zu urteilen, und glaubt dabei seinen Krieg und seine Erpressung gerechtfertigt. Die Vorwürfe wurden von der zuständigen Staatsanwaltschaft untersucht und für nichtig erklärt. Wieso werden die nicht bestraft, die solche Vorwürfe verleumderisch vorbringen? Ich habe mit Menschen gesprochen, die sie erhoben hatten, und sie gaben im Gespräch unter Zeugen zu, dass sie gelogen und aus ihrer getriggerten Wut gehandelt hatten. Was brauchen wir noch?

Ich habe erlebt, wie viele Gemeinschaften und innovative Projekte weltweit mit ähnlichen Vorwürfen belegt wurden, sobald sie für irgendwen unbequem wurden. Manche sind daran zerbrochen. Später kommt dann sehr oft heraus, dass es nicht gestimmt hat. Der Schaden ist dann aber schon erzeugt.

Bitte prüft genau, bildet euch eine eigene Meinung und schreitet ein, wenn das passiert. In dubio pro reo gilt in der deutschen Rechtsprechung.

Nachdem das Management des ZEGG überraschend eine Entscheidung, die in der Gemeinschaft nicht durchgegangen ist, unter sich entschieden hat, war ich empört, wütend, enttäuscht und verletzt. Im Management des ZEGG sind keine Menschen vertreten, die mit Go&Change in enger Kooperation sind. Das fühlte sich an wie eine Kampfansage an mich und ich fühlte mich um meine Mitbestimmung betrogen. Ich hielt in dieser Zeit einen Kurs im ZEGG und ging dann gleich über zum Herbsttreffen von GEN Deutschland, das bei uns stattfand. Eine Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit informierte mich am Mittwoch abend, dass sie eine Stellungnahme zu Go&Change geschrieben habe und am Freitag auf die Webseite des ZEGG stellen wolle. Es war ihr sehr dringend und ich verstand nicht warum. Wir beide arbeiten in der Öffentlichkeitsarbeit und ich wunderte mich, warum sie mich nicht vorher schon in das Schreiben einbezogen hatte, als ich noch Zeit hatte. Ich konnte jetzt nur in den Pausen darauf schauen. Beim ersten schnellen Überfliegen hielt ich es für möglich, eine gemeinsame Stellungnahme zu verfassen. Die Alternative wäre gewesen, eine eigene zu schreiben, die dann parallel auch veröffentlicht werden könnte. Dazu hatte ich aber keine Zeit. Viel war in den kurzen Zeiten nicht zu machen. Schließlich habe ich kurz resigniert und einer Veröffentlichung zugestimmt. Als ich dann las, wie Emil Friis das als Sieg feiert und gefeiert wird, habe ich gemerkt, was ich getan habe und meine Zustimmung zurückgezogen. In Zusammenhang mit dem großen Zeitdruck und dass ich vorher nicht einbezogen war in den Entwurf, empfinde ich das nun als ein ungutes Manöver und bin froh, es gemerkt zu haben. Es ist schmerzhaft, dass es nicht gleich kooperativ und transparent gestaltet wurde.

Das ZEGG-Management weigert sich -– trotz ursprünglicher Zusagen – unsere Stellungnahme neben der eigenen zu veröffentlichen. Hier ist ein Konflikt aufgetreten, den wir nicht mehr überdecken können. Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir als Gemeinschaft die Chance haben, an diesen Konflikten zu heilen und zu wachsen. Ina und ich sowie unsere Freunde von Go&Change bleiben gesprächsbereit und offen für jede konstruktive Art der Diskussion und Klärung.